| | | Wo die Liebe hinfällt...
Unser erster Jagdhund war Lea. Sie war das Produkt des liebestollen Försterdackels und einer Terrier-Mischlingsdame. Lea war schwarz mit weißer Brust und sah sehr edel aus. Vielleicht war es das, was zur großen Hundeliebe führte.
Jeden Tag ging nämlich an unserem Garten ein Junger Mann mit einer riesigen schwarzen Deutschen Dogge mit einem weißen Brustfleck vorbei. Ein monumentaler Hund. Ich habe nie einen größeren gesehen.
Eines Tages passte ich nicht auf. Lea flitzt los. Da ist die Dogge! Ich bin starr vor Schreck. Der Doggenrüde jedoch glotzt mit verliebten Kalbsaugen auf das kleine Dingelchen zu seinen Füßen und beginnt die Kleine sanft zu bespielen.
Die Freundschaft der beiden hielt bis zu unserem Wegzug. Wegen des Größenunterschiedes konnten die beiden nie ein Liebespaar werden. Frei nach dem Motto: „Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb“. Lea ist nun schon lange über die Regenbogenbrücke gegangen, ihre große Liebe sicher auch. Ich kann für die beiden nur hoffen, dass sie sich dort endlich wiedergefunden haben.
 Filius von der Himmelsleiter aus Birke KS vom Westermoor und Xander KS vom Donaueck
Neue Geschichten von Lara
Wie gesagt, ich mag keine Hundegeschichten. Nicht nur, weil sie so oft mit dem Tod enden, nein, wegen der darin vorkommenden Menschen mag ich sie nicht. Krambambuli erfriert auf der Türschwelle seines Herren, der ihn aus Eifersucht im Stich gelassen hatte. Andere Hunde werden erschossen oder schlecht behandelt- nein, ich mag keine Hundegeschichten.
Deshalb will ich Ihnen heute eine erzählen, in welcher der Hundeführer- trotz allem- zu seinem schwierigen Hund steht.
Alle meine Hunde, es waren immer Teckel oder Teckelmischlinge, sind bei mir alt geworden. Nie gab es irgendwelche Schwierigkeiten mit ihnen.
Dann brachte mein Mann eines Tages Lara mit, eine Deutsch-Kurzhaar Hündin bester Abstammung. Schon am ersten Tag geriet unser Haushalt aus den Fugen. Irgendwann musste doch auch dieser Welpe einmal zu Ruhe kommen, dachten wir hoffnungsvoll. Dem war aber nicht so. Bis nachts um drei Uhr war an Schlafen nicht zu denken, die Hündin tobte durch die Wohnung. Und- wir wussten noch nichts von Jagdhundeerziehung. Wir wussten noch nichts von den Besonderheiten, die man beim Kauf und der Aufzucht von Jagdhunden einfach wissen muss. Wir waren hilflos. Und Lara stellte die Wohnung auf den Kopf und trieb uns zum Wahnsinn. Das ging nicht nur einen Tag sondern die ganze Woche so. Die Nachbarn im anderen Teil der Doppelhaushälfte protestierten zum Glück nicht. Ihr Retriever-Rüde brachtes es nämlich zu stundenlangen Heul-und Bellorgien, wenn seine Besitzer nicht zu Hause waren. Von daher hatten wir Glück, was die Leidensfähigkeit unserer Nachbarn anging.
Im Revier entpuppte sich Lara als Rakete. Kaum von der Leine gelassen, war kein Weg zu weit. Bis ins Alter hinein nutzte sie jede Unaufmerksamkeit unserer Seite, um sich eine kleine Privatjagd zu genehmigen. Auch die Ausbildung war kein Zuckerschlecken und nur mit Hilfe eines erfahrenen und konsequenten Ausbilders überhaupt möglich. Selbst dieser erfahrene Hundeausbilder gestand, einen so harten und ausgebufften Hund habe er in 40 Jahren noch nie erlebt. Zumeist war ich am Ende meiner Nerven und in Tränen aufgelöst.
Auf der Schweißfährte, Schweiß ist das Jägerwort für Tierblut, konnte man sich fest darauf verlassen, dass Lara mit großer Begeisterung jede Verleitfährte annehmen würde, statt brav auf der Fährte zum Stück zu arbeiten. So landete man als unerfahrene Führerin irgendwo in Timbuktu und musste nach langem Fußmarsch erst mal wieder zurückfinden. Damals, im Zeitalter vor dem Handy, war das mehr als nervenaufreibend.
An den Zwinger, den wir eigens gebaut hatten, gewöhnte Lara sich nie. Mit einem Gasthof zur Rechten, einem Kindergarten zu Linken und einem Aussiedlerwohnheim gegenüber hätte wohl auch jeder andere Hund mit der Zwingerruhe seine liebe Not gehabt.
Dafür hatte Lara auch ihre guten Seiten. Eine Jagdpassion ohne Ende. Wichtig für den Jäger.
Trotzdem: ich denke, es hat nicht eine Woche im Leben von Lara gegeben, in welcher sie micht nicht ausgetestet und zur Weißglut gebracht hat und ich sie am liebsten weggegeben hätte.
Aber- hätte ein anderer Jäger Geduld gehabt, und was hätte dieses Untier mit einem Nichtjäger angestellt? Und- hätte ich damals schon das heutige Wissen über die Jagdhundeausbildung gehabt wie heute, vielleicht wäre die Hündin auch ganz anders geworden.
Nein, ich konnte es nicht verantworten, Lara wegzugeben. Und, wie gesagt, jagdlich war sie eine sehr gute Hündin. Vielleicht verdanke ich Lara sogar meine körperliche Unversehrtheit. Ich war abends alleine unterwegs. Auf einmal fährt ein Auto heran, vier junge Männer steigen aus und kommen in ziemlich zweideutiger Weise auf mich zu. In diesem Moment sehen sie im Laternenlicht Lara, die das Nackenhaar gestellt hat und die Zähne fletscht. Ein Aufschrei, und die vier springen ins Auto und sind verschwunden. Niemals vorher und niemals nachher hat Lara einen Menschen angeknurrt oder gar die Zähne gefletscht.
Lara wurde alt bei uns. Schließlich trübten sich die Augen, sie wurde fast taub und am ganzen Körper weiß. Am liebsten war sie nun an der Leine, denn da fühlte sie sich sicher. Ohne Leine verlor Lara nun oft die Orientierung und rannte in Panik in die falsche Richtung. Endlich wurde sie so, wie wir es uns immer gewünscht hatten: anlehnungsbedürftig, anhänglich und sehr zärtlich.
Als Lara sehr krank und schwach wurde mit 14 Jahren, haben wir sie in einer guten Phase nach einem letzten Spaziergang über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Eine Kanzel in unserem Revier heißt seither „Lara-Kanzel“.

Ich mag keine Hundegeschichten- zum Andenken an Rocky alias Astor von der Himmelsleiter
Unseren Hunden ist leider nur eine beschränkte Lebenszeit auf Erden vergönnt. Oft sind es nur wenige Jahre, oder in Ausnahmefällen sind es auch einmal 12 Jahre oder gar 16 Jahre. Jedenfalls überleben wir in der Regel unseren vierbeinigen Gefährten und müssen mit der Trauer und dem Verlust leben. Deshalb mag ich keine Hundegeschichten, denn sie enden zumeist mit dem Tod.
Jeder hat wohl schon einmal einen Hund gehabt, der ihm mehr als alle anderen ans Herz gewachsen war. So war das mit Rocky. Eigentlich ja wohl Astor von der Himmelsleiter, Nr. 6 des ersten Wurfes in meinem Zwinger. Als Hera vom Leinachtal, seine Mutter, diesen Wurf zur Welt brachte, hofften wir auf eine schöne Anzahl von Hündinnen. Die waren nämlich bestellt. Ich selbst wollte auch eine behalten. Stattdessen folgte ein Rüde auf den anderen, so dass es am Ende 6/2 stand. Lara, so nannten wir Hera, entpuppte sich als instinktsichere Mutter, allerdings waren nicht alle Zitzen gleich ergiebig. Aber, wir hatten ja Nr.6. Er war ein kleiner Dicker und ein mächtiger Sauger!! Also wurde er von den guten Zitzen abgezogen und an die mageren angesetzt, die dank der Bearbeitung durch diesen verfressenen Welpen, schon bald ebenfalls recht gut Milch gaben. Ansonsten war Nr. 6 so dick wie gemütlich. Er liebte es im Garten zusammengerollt auf einem sonnigen Plätzchen zu liegen, ausgiebiges Getobe war weniger sein Fall. Die Wochen vergingen und es galt, die Welpen zu verkaufen. Nun mag es für die renommierten Zwinger kein Problem sein, Rüdenwelpen an den Mann oder die Frau zu bringen. Für einen unbekannten Erstlingszwinger hingegen begann die Zeit des Zitterns. Die beiden Hündinnen waren sofort weg, die schön gezeichneten Welpen auch. Nr.6 aber wirkte mausgrau. Er war weder ein schöner Braunschimmel, noch richtig weiß. Mit anderen Worte: keiner wollte ihn haben, und so entschlossen wir uns, Nr.6, jetzt genannt Rocky – wir wollten nicht Rambo sagen – zu behalten. Er stellt sich als ein sehr ruhiger, aber willensstarker Rüde heraus. Das machte sich beim Derby, das ist die Prüfung für die jungen Deutsch-Kurzhaar, bemerkbar, wo er in dieser ersten Prüfung seines Lebens sofort jede internationale „Karriere“ mit einem 3. Preis zu nichte machte. Diese Urkunde hängt noch heute an meiner Wand. Sie hat als einzige einen breiten goldenen Rand!! Schon bei der Solms, der Herbstzuchtprüfung für die Rasse Deutsch-Kurzhaar, aber wurde er Suchensieger, bei der VGP, der Verbandsgebrauchshundeprüfung, der Meisterprüfung der Vorstehhunde, kam er als zweiter von 26 Hunden mit nur einem Punkt Abstand auf den Suchensieger in einen 1. Preis. . Und dann zeigte sich Rockys wahres Talent: die Schweißarbeit. Schweißarbeit nennen die Jäger eine Fährte, die mit Blut gelegt wird, damit der Hund lernt, verwundetes Wild durch das finden des Blutes zu finden. Bei der Verbandsscheißprüfung, bei der der Hund über 1000 m nachsuchen muss und das Blut schon über 20 Stunden alt ist, wurde er Suchensieger, obwohl es über dem Schweiß prächtig gefroren hatte. Bei der über 40 Stundenfährte hatte es tags zuvor 70 l auf den Quadratmeter geregnet. Rocky wurde Suchensieger, die meisten anderen kamen auf der 20 Stundenfährte nicht einmal ans Ziel. Dabei hatte sich die Führerin , nämlich ich, dadurch ausgezeichnet, dass sie den Rüden immer wieder vom Schweiß weg traktierte. Ohne Erfolg. Rocky wollte ans Ziel und ging immer wieder auf den Schweiß zurück. In den folgenden Jahren kam neben Fresse, Schlafen, Schweiß eine neue Leidenschaft dazu: Rocky jagte passioniert bei der Stöberjagd auf Sauen. In seinen späteren Jahren wurde er für komplizierte Nachsuchen abholt und von anderen Führern! eingesetzt, wenn ich arbeiten musste. Vor allem aber wurde er auf großen Maisjagden und revierübergreifenden Treibjagden auf Sau angefordert. Unser Mitjäger Franz-Josef prägte den Standartsatz: „Dein Hund ist wieder einmal zur Jagd eingeladen worden, und Du darfst mitgehen, weil er noch nicht Autofahren kann.“
Rocky wurde überall in der Gegend bekannt und geachtet. Er war nicht nur ein guter Hund, sondern eine wirkliche Hundepersönlichkeit. Begegnete ich einem Jäger, war zumeist die erste Frage: „Und wie geht es Deinem Rocky?“
Neben all den jagdlichen Fähigkeiten war er ein anschmiegsamer liebevoller Gefährte. Fast vierzig Kilo wog unser „Kleiner“, ein Standbild von einem Hund. Den Welpen aus den vielen Frühsterziehungskursen war er der Held, den sie verehrten. Den kleinen Don von der Himmelsleiter, der acht Tage nach seinem Verkauf zurückgegeben wurde, war er ein Ersatzvater und großes Vorbild. Wo Rocky war, war auch Don. Es war Rocky noch vergönnt, seinen Nachfolger einzujagen und ihm Manieren an der Sau beizubringen. Dann kam der Darmkrebs. Am 27.2.2005 verschloss dieser den Darm und wir mussten Rocky erlösen. Zunächst ließ ich seinen Körper in der Tierklinik. Es hatte wochenlang schweren Frost im Odenwald, ein Grab zu machen, schien unmöglich. Einen Tag später hielt ich es nicht mehr aus. Ich holte Rocky nach Hause. Nun liegt ein Teil meines Herzens vor dem Fenster meines Arbeitszimmers im Garten.
Nachtrag: ein Welpenkäufer meines jetzigen F-Wurfes kam berichtete mir, er kenne mich seit zehn Jahren!!?????? Er habe mich auf einer Zuchtrüdenvorstellung in München mit einem Mordsrüden gesehen, der die Ruhe weg gehabt hätte. Es war Rocky!

Seppi und seine Halbbrüder
Wenn ich nach Hundegeschichten suche, finde ich meistens nur traurige Geschichten. Geschichten von ausgesetzten, überfahrenen, misshandelten Hunden.
Aber- gibt es nicht auch die anderen, die geliebten, die behüteten Hunde?
Deshalb entschließe ich mich jedes Jahr aufs Neue, von diesen Hunden zu schreiben. Heute von meinem Deutsch-Kurzhaar-Rüden Donner von der Himmelsleiter alias Don.
Es begann alles mit der Geburt. Anstatt der erwünschten Hündinnen hatte meine Riecke erneut zehn Rüden und nur zwei Hündinnen zur Welt gebracht. Einer, der schwächste im Wurf, was Donner. Weil er so klein und schwach war, so sind wir Menschen eben, genoss er meine bevorzugte Behandlung. Die beste Zitze wurde freigehalten, damit auch dieser Kleine halbwegs genug Milch bekam. Später durfte er öfter als alle anderen auf meinem Schoß liegen und ich dachte, wenn ich einen Welpen behalten könnte, dann diesen. Merkwürdigerweise verliebte sich jeder von unseren Freunden ausgerechnet in diesen Welpen. Aber sowohl für meinen Mann als auch für mich war klar, ein vierter Hund sollte nicht ins Haus kommen, und schon gar kein Rüde zu meinem relativ unverträglichen Rocky. Also wurde Donner wie alle seine Geschwister verkauft. Wenige Tage später mussten wir ganz unerwartet unsere alte Hündin, Hera vom Leinachtal über die Regenbogenbrücke schicken. Auf einmal war es gespenstisch ruhig um uns geworden. Zwei Tage später klingelte das Telefon. Zwei tränenerstickte Stimmen der jungen Käufer teilten uns mit, dass sie mit dem Welpen völlig überfordert seien. So kam Don zu uns zurück. Er war halb verhungert, sehr aggressiv und zugleich ängstlich, mit einem ganz gelben Fell. Wir erkannten unseren Welpen kaum wieder. Zu unserem großen Erstaunen, reagierte unser alter Rüde höchst nachsichtsvoll auf den Welpen, allerdings nur zwei Tage lang. Am dritten Tag nahm er sich den Kleinen einmal vor und zeigte ihm wo es lang geht. Seither waren Rocky und Don ein Herz und eine Seele. Wo Rocky stand und ging, war auch Don. Sie schliefen zusammen im Korb, fraßen aus einem Napf. Rocky war Dons großer Freund, obwohl ja auch Riecke, seine Mutter da war. Mehrfach wurde mir nun gutes Geld für Don geboten. Aus irgendeinem Grund, den ich selbst nicht benennen könnte, fand ich immer einen Grund, ihn nicht zu verkaufen. Erst acht Monate später sollte ich erfahren, warum alles so gekommen war. Plötzlich verschloss der Krebs den Darm unseres geliebten Rocky. Noch drei Wochen zuvor hatte er sich bei einer Saujagd an drei angeschweisten Sauen vortrefflich bewährt und Don eingejagt- nun mussten wir uns innerhalb weniger Stunden für immer von ihm trennen.
So blieb Rockys Erbe-Don. Es hatte wohl so sein sollen, dass er zu uns zurückkam!
Nun wünschen wir uns für Don ein langes, erfülltes Hundeleben. Er hat uns in diesem Jahr viel Freude auf der Jagd gemacht und ist ein ordentlicher Nachfolger für unseren Rocky geworden.

Bella von der Königsleite mit ihrem B-Wurf- die schwarze Hündin ist unsere Baghira von der Königsleite alias Emma.
Sauen sind wehrhaftes Wild
Sauen sind wehrhaftes Wild. Wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlen, wenn eine Mutterbache, also ein Muttertier, ihre Frischlinge, so nennt der Jäger die Kleinen, bedroht sieht, dann greift die Sau an. Sauen sind mit scharfen Waffen ausgerüstet, wie die Jägersprache die messerscharfen mehrere Zentimeter langen Zähne der Sauen bezeichnet. Insbesondere kranke, also verletzte, verwundete Sauen sind höchst gefährlich. Und in früheren Zeiten, als der Jäger noch mit Pfeil und Boden oder der Saufeder, einer langen Lanze, den Sauen zu Leibe rückte, bezahlte manch ein Jäger dieses mit der Gesundheit oder gar dem Tod. Auch heute noch, im Zeitalter der heißen Waffen, also der Gewehre, werden Jäger oder Treiber und auch viele Hunde bei der Saujagd verletzt oder gar getötet. Nun ist unser kleines, dicht besiedeltes Deutschland durchschnitten von unzähligen Straßen. Selbst auf den kleinsten wird schnell, viel zu schnell gefahren. Und- diese Straßen durchschneiden die jahrhundertealten Wechsel des Wildes, also sozusagen die Wildstraßen. Deshalb bezahlen Jahr für Jahr hunderttausende Wildtiere die Kollision mit einem Auto mit dem Leben oder entkommen schwer- oder schwerstverletzt. Wird ein solcher Unfall gemeldet, dann kommt der Jäger mit seinem Hund zum Einsatz. In der Regel ist dann der Unfallverursacher längst zu Hause in der guten Stube angekommen, die Polizei hat den Unfallort markiert. Dann streift der Jäger seinem Hund die Schweißhalsung mit dem langen Schweißriemen über, das ist die Bezeichnung für das Halsband und die lange Leine, an der der Hund dank seiner guten Nase den Jäger zum verletzten oder toten Wild führt. Er lädt sein Gewehr und versucht nun, die arme Kreatur zu finden und zu erlösen. So war auch mein Freund Armin mit seiner Deutsch-Kurzhaar-Hündin Anka zur Nachsuche auf die Sau, also zur Suche nach einem verunfallten Wildschwein aufgefordert worden. Die Unfallstelle war schnell gefunden. Armin und Anke machten sich ans Werk. Kaum waren die beiden drei Minuten unterwegs, hörte Armin ein Zähneklappern. Er wusste genau: „Jetzt greift die Sau an!“ Aber, bevor er überhaupt das Gewehr vom Rücken genommen hatte, hatte sich die Sau schon in seinem rechten Oberschenkel verbissen. Halbohnmächtig vor Schmerz ging Armin zu Boden. Dass sein letztes Stündlein geschlagen hatte, war ihm klar. Das wäre sicherlich auch normalerweise so gewesen, wenn es nicht Anka gegeben hätte, die Deutsch-Kurzhaar-Hündin. Nun sind Deutsch-Kurzhaar bei der Saujagd normalerweise klug und nicht überscharf. Das heißt: sie verbellen die Sau, aber sie versuchen nicht, sich in eine Sau zu verbeißen- denn das bedeutet, Leib und Leben zu riskieren. Anka aber merkte wohl, dass es für Ihren Herrn ums Überleben ging. Die sanfte Hündin verwandelte sich in eine Furie, die mit ungeheurem Schneid auf die Sau losging und sich in deren Keule, also dem Hinterschenkel verbiß. Die Sau wandte sich nun dem neuen Angreifer zu, also Anka. Es gelang daher meinem Freund, die Waffe in die Hand zu bekommen und sich halb aufzurichten. Sauen sind intelligente Tiere und wissen ganz genau, dass die eigentliche Gefahr vom Menschen und nicht von seinem Hund ausgeht. Daher wandte sich die Sau nach kurzer Ablenkung erneut meinem Freund Armin zu. Der Schuss brach, die Sau verendete halb auf meinem Freund liegend, den Lauf der Waffe hatte sie abgebissen im Gebrech, also dem Maul. Dadurch war Armin wieder zu Boden gegangen, dieses Mal kaum noch bei Bewusstsein. Wenn nicht die Hündin Anka gewesen wäre, wer weiß, ob er nicht einfach an Ort und Stelle mit der Sau liegen geblieben wäre. Anka aber stupste und heulte und leckte Armin im Gesicht, so dass dieser die Kraft fand, sich unter der Sau hervorzuarbeiten, sich das Bein notdürftig abzubinden und mit Ankas Unterstützung auf zwei Armen und einem Bein zum Auto zu kriechen. Gott sei Dank lag die Unfallstelle nur wenige hundert Meter vom Krankenhaus in Buchen entfernt. Mit dem einen Bein- das bringt wohl auch nur ein harter Ostpreuße fertig, gelang es meinem Freund, bis auf den Parkplatz des Krankenhauses zu fahren. Dort aber war auch seine Kraft zu Ende. Er brach ohnmächtig zusammen. Armin wäre verblutet, wenn nicht bald Hilfe gekommen wäre. Und erneut ergriff Anka die Initiative. Sie heulte, bellte und schrie so laut, dass Passanten aufmerksam wurden. Sie fanden den halbtoten Mann hinter dem Steuer und den nun winselnden, bettelnden Hund. Nun ging alles ganz schnell. Armin wurde in den OP gebracht. Mehrere Ärzte bemühten sich, sein Leben retten und sein Bein zu erhalten. Drei Wochen verbrachte Armin auf der Intensivstation, bevor er , ganz genesen, wieder nach Hause gehen konnte. Ich selbst habe die Deutsch-Kurzhaar-Hündin Anka nicht mehr persönlich kennengelernt. Aber für meinen Freund Armin war sie so lebendig, als warte sie noch immer draußen am Auto auf ein neues Jagdabenteuer mit ihrem Herrn.
Viele Leute sagen: „Das war doch nur ein Hund!“ Dagegen sage ich Ihnen: „Meine Damen, meine Herren! Ziehen Sie Ihren Hut ( wenn Sie denn einen tragen) und sagen Sie: „Das war ein Hund!“

Mein Donner beim Schwimmen.
Keine Geschichte von einem DK- aber auch sehr schön!
Frau Kröger und der Himmel
Die alte Frau Kröger saß in ihrem Rollstuhl und blickte blicklos in den Garten des Pflegeheimes. Dieser wurde liebevoll gepflegt, um den alten Menschen noch ein wenig Freude zu bereiten. Frau Kröger blickte zurück auf die Tage, an denen sie, immer in Begleitung eines ihrer geliebten Retriever durch die Flur spaziert war. Die arbeitsamen Tiere hatten dabei immer gebettelt, dass sie eines der geliebten Bringspiele mit ihnen machte. Und so hatte Frau Kröger immer ein kleines rotes Apportiersäckchen bei sich gehabt. Dieses Säckchen und ein paar Bilder von den Hunden war alles, was ihr im Pflegeheim von diesen herrlichen Zeiten geblieben war- und eben die Erinnerung. Da wurde Frau Kröger von einer nassen Hundeschnautze angestupst. Aika, ihre Lieblingshündin, stand, mit dem Apportiersäckchen im Fangl erwartungsvoll vor ihr. Dies hieß: „Auf, lass uns hinausgehen und spielen!“ Wer kann einer solchen Aufforderung widerstehen? Frau Kröger stand auf und begleitete Aika in den Garten, der so viel größer war, als sie immer gedacht hatte. Dabei fiel es ihr immer leichter zu laufen, es war gar nicht so mühsam wie noch vor einer Stunde. Auf einer großen Wiese kamen Frau Kröger nun gar Rex und Stups entgegen, die beiden Brüder und Aikas Söhne. Aber- Aika, sie war doch lange tot. Und auch Rex und Stups hatten schon lange den Gang hinter die Regenbogenbrücke angetreten. Nun wurde Frau Kröger klar: „Ich bin tot!“. Sie nahm diese Erkenntnis ohne Furcht zur Kenntnis, allenfalls Neugier erwachte, was denn jetzt wohl kommen werde. Wie von einem Sog gezogen, bewegte sich Frau Kröger auf ein Tor zu. Auf dem Tor stand die Aufschrift: Himmel. Dahinter ein wunderschöner Garten mit einem Liegestuhl zum Ausruhen, einem Teich und schattigen Bäumen. Am Tor hing eine Glocke und das Schild: „Bitte läuten!“ Das tat Frau Kröger. Die Tür öffnete sich und Frau Kröger trat ein. „Wir haben Sie schon erwartet! Treten Sie ein! Aber die Hunde haben hier nichts zu suchen!“ Frau Kröger schaute in die Augen ihrer drei, die sie ja gerade erst wiedergefunden hatte und traf , ohne Zögern ihren Entschluss. „Dann muss der Himmel wohl ohne mich auskommen!“ Sprachs und machte sich mit ihren Hunden erneut auf den Weg. Wieder wurde sie, ganz ohne ihren Willen, auf ein Tor hin gezogen. Aber, was für eines! Es war windschief. Dahinter war ein verwilderter Garten zu sehen. Ein windschiefer Stuhl, ein paar Schüsseln mit Wasser waren zu erkennen. Eine Glocke fand sich nicht und auch kein Schild. „Wißt ihr was, hier gibt es wenigstens Wasser für Euch und Schatten. Wir gehen einfach hinein. Man kann uns nicht mehr als wieder hinauswerfen.“ , meinte Frau Kröger zu den Hunden, die darauf mit der Rute wedelten. Also traten Frau Kröger und ihre drei ein. Und da verwandelte sich vor ihren Augen das Tor. Es war gar nicht mehr windschief und hatte nun ein Schild, auf dem stand „Himmel“. Und im Garten stand ein großer Liegestuhl, der zum Verweilen einlud und ein kleiner Teich und schattige Bäume und…. ….unter dem Schild Himmel aber war zu lesen: „Eintritt für die, die um nichts in der Welt ihre Freunde zurücklassen!“
Als der Pfleger Frau Kröger zum Abendessen holen wollte, fand er nur einen leeren Rollstuhl. Im ganzen Haus war keine Spur von Frau Kröger zu finden. Als die Putzfrau am späteren Abend die Liegestühle im Garten wegen der Nachtnässe ins Haus stellen wollte, fand sie Frau Kröger. Sie lag friedlich lächelnd aber tot in einem der Liegestühle. In der Hand hatte sie ein schmutziges rotes Ding. Angewidert warf die Putzfrau das Apportiersäckchen in den Müll.

Das ist ein Hund aus dem Tierschutz- Ben. Besitzer: Robert Maier, Deutsch-Kurzhaar-Zwinger vom Perlbachtal. Sein Besitzer schreibt zur Geschichte Bens: Ben wurde im Mai 1996 bei uns geboren, die Mutter war meine DK Hündin Enda, Vater war ein Rottweiler- Schäferhundmischling den meine Tochter aus der Tierklinik mit einem Oberschenkelbruch mitbrachte weil der Besitzer in einschläfern lassen wollte. Dieser lebt heute noch bei uns als Greis.
Jedenfalls war Enda Hitzig, und der Mischling nutze meine Unaufmerksamkeit aus. Der Wurf bestand aus 7 Welpen, alle schwarz mit Brustfleck. Leider kann ich bis auf einen Welpen nicht mehr sagen wo alle hingekommen sind, da mir die Unterlagen beim Renovieren verloren gingen, sehr schade.
2004 arbeitete meine Tochter im Tierheim Straubing, und eines Tages rief sie an ob sie einen Hund der das fressen aufgehört hat mit bringen darf. Aber nur so lange bis er sich erholt hat, ich stimmte zu. Am Abend als sie mit dem Hund in unser Wohnzimmer kam sagte ich sofort, dass dies ein Hund von uns sein könnte. Wir versuchten dann Ben, so wurde er im Tierheim getauft in den Zwinger zu bringen, was wir aber gerne wieder abrachen. Ben machte einen Radau das wir, und unsere Nachbar bestimmt kein Auge zumachen hätten können. Also durfte er ins Haus, und sofort war Ruhe eingekehrt. Gegen mich, bzw. Männer hatte er eine Abneigung, in der ersten Zeit kam es schon vor das er mir die Zähne gezeigt hat. Dies legte sich aber als er merkte das ich ihm nur gutes tue, auch fing er wieder zu fressen an. Nach ca. zwei Wochen war Ben soweit das er nicht mehr von meiner Seite wich, und nachts schlief er neben meinem Bett. Meine Familie entschied dann, dass Ben bei uns bleiben darf, das Tierheim gab auch sein OK. Meine Tochter forschte dann etwas im Tierheim über Ben nach, und erfuhr dass der erste Besitzer verstorben sei, und dann von Hand zu Hand ging bis er zu guter Letzt im Tierheim gelandet ist. Dem letzten Besitzer wurde Ben abgenommen, da er den Hund den ganzen Tag in einem Schuppen eingesperrt hat. Ben begleitet mich bis heute überall mit hin, jagdlich hatte er am Anfang überhaupt keine Veranlagung. Mit der Zeit und viel Übung erlernte er das Stöbern, zusätzlich wurde von mir auch noch auf Schweiß eigearbeitet. Ben ist bei den meisten Ansitzen dabei, entweder unterm Sitz, oder im Auto wenn das Wetter zu schlecht ist. Leider bekommt Ben jetzt einige Tumore, und wir werden in nicht mehr lange haben. Auch ist er sehr aggressiv geworden, und man muss bei kleinen Kindern verdammt aufpassen dass sie ihn in Ruhe lassen. Ben wurde nur im Haus gehalten, denn im Zwinger bekommt er Panik, und heult und bellt was er kann. Ich glaube das wir im doch noch ein paar schöne Jahre beschert haben.
Zeus
Diese Geschichte ist allen Jagdhunden gewidmet, die aus irgendeinem Grund im Tierschutz landen. Beachten Sie bitte den Link auf der Seite Impressum auf Krambambuli!
Das Lexikon sagt, dass Zeus der Göttervater des griechischen Olymps ist. Der Gebieter über die Götter der Griechen. Nomen es omen- der Name ist ein Vorzeichen. Denn tatsächlich war Zeus für eine große Hundekarriere vorbestimmt. Zeus war nämlich nicht irgendein Hund, nicht einmal ein einfacher Deutsch-Kurzhaar aus jagdlicher Zucht. Nein, Zeus stammte aus hohem Hause! Der ganze Stammbaum wimmelte von kleinen roten Stempeln auf denen Dr. Kleemann stand. Für die eingeweihten bedeutet dies dass die Vorfahren von Zeus alle die weltschwerste Hundeprüfung für Vorstehhunde bestanden hatten. Das bedeutete: Zeus stammte aus dem Hochadel der Deutsch-Kurzaar Zucht und sein Name war daher mehr als angemessen und seine Karriere als künftiger Champion und Zuchtrüde sozusagen in die Wurfkiste gelegt. E fand sich auch bald der geeignete Besitzer, ein Jäger, der den Welpen auf seinen großen Bauernhof mit einer großen Niederwildjagd holte. Was also sollte da noch schief gehen? Dann aber erkrankte der Herr von Zeus und starb. Der Enkelsohn suchte vergeblich nach einem Käufer für Zeus, aber keiner wollte einen Rüden haben. Zeus konnte auch nicht den ganzen Tag unbeaufsichtigt auf dem Hof seines verstorbenen Herrn herumlaufen, und so wanderte er in den Zwinger. Der Enkelsohn seines verstorbenen Herrn kümmerte sich zwar um ihn, hatte aber viel zu wenig Zeit. Es kam wie es so oft kommt. Alleingelassen im Zwinger entwickelte Zeus allerhand Untugenden. Vor allem begann er laut und anhaltend zu heulen und zu bellen und sein ungerechtes Schicksal zu beklagen. Schließlich rebellierten die Nachbarn. Der Hund musste weg. Ein Jäger aus der Nachbarschaft und seine tierliebende Frau erfuhren von Zeus und beschlossen, ihn bei sich aufzunehmen. Aber, da waren schon zwei Hunde im Haus, und diese nahmen Zeus keineswegs freundlich auf. So kam Zeus dorthin, wo die Hunde landen, die keiner haben will, ins Tierheim. Obwohl Zeus ein bildschöner Rüde war, keiner wollte ihn mitnehmen. Ein Jagdhund, dazu ein solch kapitales Tier, das überlegt sich jeder zweimal. Nun saß Zeus erneut in einem Zwinger und das leidvolle Heulen begann erneut.
Zur gleichen Zeit trauerte ein Jäger um seinen Rüden, den der Krebs mit nur 8 Jahren hinweggerafft hatte. Sollte er sich erneut einen Welpen anschaffen? Ein Hundeführer ohne Hund- das ist kein Leben. Nun kam der Zufall, oder sollten wir sagen eine Führung ins Spiel?! Ein Freund des Jägers kam zu Besuch und berichtete dem trauernden Jäger von einem wunderschönen Deutsch-Kurzhaar Rüden im Tierheim, den keiner haben wolle. Ob das nicht ein Ersatz für den verstorbenen vierbeinigen Jagdgefährten sein könne? Unser Jäger zögerte nur eine Sekunde. Dann ging es zum Tierheim. Zeus zu sehen und ihn mitzunehmen, das war eines. Und Zeus? Von Stund an vergaß Zeus zu bellen und zu heulen. Er hatte nun wieder alles, was ein Hundeherz begehrt: einen Herrn, ein gutes Zuhause. Aus Zeus ist kein großer Champion geworden, kein international bekannter Deckrüde. Aber er wurde der geliebte Hund des Jägers, und der Jäger der geliebte Herr von Zeus. Die beiden sind ein unzertrennliches Gespann geworden und trennen sich selten- nicht mal, wenn es zum Schüsseltreiben, das ist das gemeinsame Essen nach der Jagd, ins Gasthaus geht.
An sich mag ich keine Hundegeschichten, diese aber mag ich!
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