Meine Hundegeschichten 2
Meine Hundegeschichten 2


Hier wird ein Welpe aus dem F-Wurf geboren. Die Mutter beißt die Eihaut auf, damit das Kleine atmen kann.



Fehler bei der Reinkarnation



Jagdhunde mögen keine Katzen. Deutsch-Kurzhaar sind Jagdhunde.
Manchmal können Hunde die Katzensprache lernen, wenn sie als Welpe mit Katzen aufwachsen. So war es aber mit Seppi nicht.

Seppi war im Besitz eines Landtierarztes, der sich um die Pferde kümmerte. Und Seppi war sein Jagd und auch Begleithund. Die beiden kamen so auf viele Bauernhöfe in der Umgebung und schon als Welpe lernte Seppi, dass die Hühner und Enten und auch die Katzen dort nicht auf seiner Jagdkarte standen.
Auf den Bauernhöfen sprach sich unter den Tieren bald herum, dass von diesem Jagdhund keine Gefahr ausging. Das ermunterte manche Katze, direkt unverschämt zu werden und diesen Hund einmal tüchtig anzufauchen, wenn Seppi sich dem Fressnapf der Katzen oder ihrem Lager näherte. Seppi aber blieb immer gutmütig, was ihm unter Katzen nicht nur den Ruf eines ungefährlichen sondern so gar eines Jagdhundes einbrachte, der wohl nicht so ganz richtig im Kopf sei.
Eines Tages ging Seppi mit der Lebensgefährtin seines Herrn spazieren, die für ihn der eigentliche Mittelpunkt seines Hundelebens war.
Auf einmal stand Seppi vor einem Grasbüschel vor. So nennen es die Jäger, wenn ein Vorstehhund beim Geruch von Wild nicht hinterhergeht sondern stehen bleibt und seinem Herrn anzeigt, dass da Wild ist.
Peggi, die geliebte Herrin, schaute nach, was Seppi ihr zeigen wollte. Eine kleine Katze, wohl kaum vier Wochen alt, vollgesprüht mit Gülle, ein Ohr blutig und zerrissen. Der kleine Kater miaute jämmerlich und lief auf Seppi zu, anstatt, wie jede vernünftige Katze, reis aus zu nehmen.
Diese kleine Katze hatte keine Überlebenschance so weit ab von jeder menschlichen Siedlung. Und ganz sicher hatte sie jemand ausgesetzt.
Also kam die kleine Katze mit nach Hause, wurde gebadet, bekam eine Wurmkur, wurde von Flöhen befreit, zur Tierärztin gebracht, die das blutende Ohr versorgte. Getauft wurde der kleine Kater auf den Namen Max.
Seppi war bei allem mit großem Interesse dabei. Seine Menschen staunten nicht schlecht, als Seppi auf dem Teppich lag und vorsichtig mit seinen großen Pfoten den kleinen Max bespielte. In der Folgezeit entwickelte Seppi sich immer kätzischer. Max, der sich zu einem prächtigen Kater auswuchs, schlief mit Seppi im gleichen Korb, fraß aus einer Schüssel und entwickelte nun hündische Verhaltensweisen, indem er wie ein Hund apportierte, also sein Bällchen fing und wiederbrachte.
Auf den Höfen versuchte Seppi nun mit den dortigen Katzen zu spielen. Die Katzengemeinschaft kam zu der Überzeugung, dass dieser Hund nun total durchgedreht sei. Bis Kater Mauz, schon älter und weiser als die anderen, ein Hörbuch mithörte. Es hieß: „Mieses Karma“ und handelte davon, dass eine Menschenfrau wegen ihrer schlechten Taten als Ameise wiedergeboren worden war.
Nun konnte sich Mauz keine Katze vorstellen, die so schlecht gehandelt hatte, dass sie es verdient hätte, als Hund wiedergeboren zu werden.
Fehler passieren immer wieder. Menschen machen viele Fehler. Warum also sollte nicht auch bei der Reinkarnation ein solcher vorgekommen sein?
So war für Kater Mauz eines sonnenklar: Seppi war in Wirklichkeit eine Katze in Hundegestalt , eben ein Fehler bei der Reinkarnation.



Jeanny- Bettlerin


Im Zuge einer beruflichen Weiterbildung machte ich mich einmal pro Woche aus meinem Odenwälder Städtchen in die Großstadt Mannheim auf. Mannheim, so anders als unsere kleine Stadt. So viele Menschen eilen aneinander vorbei. Man würdigt sich keines Grußes, wie auf dem Lande noch üblich. Da entbietet man auch dem Wildfremden noch ein „Grüß Gott!“ oder „Guten Tag!“ oder „Frohe Ostern!“ und so weiter.
Auch gibt es bei uns keine Bettler, die im Kontrast zu all den reich geschmückten Geschäften an irgendeiner Ecke hocken und um Almosen bitten.
Ein Bettler fiel mir auf. Er hatte eine wunderschöne Schäferhundmischlingshündin dabei. Und, er hatte für diese Hündin immer ein schönes warmes Plätzchen bereitet.
So machte ich es mir zur Gewohnheit, an den Mannheimer Tagen ein kleines Paket mit Hundefutter und Knochen mit auf die umständliche Reise zu nehmen. Mit dem Auto bis nach Eberbach, von dort mit dem Zug bis nach Mannheim, von dort zu Fuß zu meiner Ausbildungsstätte.
Der Bettler stutze anfangs, weil nicht er sondern der Hund beschenkt wurde. Nach ein paar Wochen kamen wir ins Gespräch- von Hundefreund zu Hundefreund.
Er hieß Klaus und stammte aus den neuen Bundesländern. Als ungelernter Arbeiter hatte er nach der Wiedervereinigung erst seine Arbeit, dann seine Frau, seine Wohnung und schließlich den Boden unter den Füßen verloren. Geblieben war ihm aus besseren Tagen nur die Mischlingshündin Jeanny- benannt nach der Jeanny aus einer amerikanischen Fernsehserie, die damals im wiedervereinigten Fernsehen wiederholt wurde.
Die Stadt hatte ihm ein kleines Gartenhäuschen zugewiesen, in welchem er schlecht und recht über die Runden kam und mit Jeanny wenigstens ein Dach über dem Kopf hatte.
Natürlich fragte ich ihn, ob ich ihm Arbeit vermitteln solle. Aber Klaus schüttelte den Kopf. Was dann den ganzen Tag aus Jeanny werden solle? Auch habe er nicht mehr die Kraft, sich in ein bürgerliches solides Leben mit festen Regeln einzufügen.
Ich akzeptierte dies und besuchte einmal in der Woche Jeanny und Klaus an ihrer Ecke. Nach ein paar Wochen fiel mir auf, dass Jeannys Fell nicht mehr glänzte. Sie war mager geworden. Die Augen wirkten trüb. Bekam sie etwa nicht genug zu fressen? Reichte das Geld nicht, das Klaus erbettelte?
Die Wahrheit war um einiges schlimmer. Jeanny war krank. Sehr krank. Der Tierarzt behandelte die Hündin aus Mitleid fast umsonst. Aber eine Genesung Jeannies war ausgeschlossen.
Die Wochen gingen ins Land, es wurde Herbst, es wurde Winter. In der ersten Adventswoche hatte ich ein besonders schönes Paket gepackt, dieses Mal auch mit einer Gabe für Klaus. Klaus saß an seiner üblichen Ecke. Er hatte den Kragen seines Mantels hochgeklappt und schien zu frieren. Die Decke fehlte. Und auch Jeanny war nicht da.
. Als Klaus mich sah, dreht er den Kopf weg und ich sah die Tränen auf seine Wangen fließen. Ich brachte es nicht fertig, zu Klaus hinzugehen und ging meines Weges.
Auf dem Rückweg hatte ich mir ein Herz gefasst, die schlimme Nachricht entgegen zu nehmen. Aber die Ecke war verlassen.
Ich bin noch mehrere Monate nach Mannheim gekommen. Immer hielt ich Ausschau nach Klaus. Ich habe ihn nie mehr gesehen.




Wissen Hunde um den Tod?



Der Volksglaube sagt: wenn ein Hund im Zimmer auf einmal grundlos anfängt, in irgendeine Ecke des Zimmers hin zu knurren und zu bellen, dann ist der Tod im Zimmer.

Wissen also Hunde um den Tod?
Zumindest alte und sehr kranke sagen uns deutlich, wann es für sie Zeit ist zu gehen. Unsere Lara war 14 Jahre alt, halb blind, manchmal etwas geistig verwirrt, fast taub. Um ihre eine Freude zu machen, fuhren wir mit ihr immer wieder an die Fasanenvoliere. Dort hatte Lara in jungen Jahren ihren größten Jagderfolg gehabt. Beim Saubermachen der Volieren war sie mir unbemerkt vorbeigeschlüpft. Als ich mit dem Säubern der nächsten Voliere fertig war, hatte sie schon in der ersten Voliere fleißig Beute gemacht.
Von nun an war es Laras größtes Glück, um die Volieren herumzurennen, immer in der Hoffnung, einen Einlass zu finden.
Nun war Lara dem Tode nahe. Schon hatte sie, warm eingepackt mit Decken im Sterben gelegen, sich aber noch einmal, wieder alles Erwarten, erholt.
Wenige Tage später fuhren wir ihr zu liebe zu den Volieren. Lara schaute die Volieren nicht einmal mehr an. Stattdessen legte sie sich neben dem Auto auf den Boden. Nun wussten wir, dass die Stunde des Abschieds gekommen war. Sie hätte es uns nicht deutlicher zeigen können.
Als mein Astor von der Himmelsleiter, mein geliebter Rocky, in der Tierklinik eingeschläfert worden war und ich ohne ihn nach Hause kam, blieb sein Sofa leer. Kein Hund, der ihn noch persönlich gekannt hatte, hat das Sofa bis zum heutigen Tag in Besitz genommen. Erst Emma, die Rocky nicht mehr erlebt hat, hat das Sofa zu ihrem Schlafplatz erkoren.
Aber, merken Hunde auch, wenn einer und dass einer der ihren gestorben ist?
Seppi, der Hund, der die Katzen liebte, starb mit nur viereinhalb Jahren an den Folgen einer Vergiftung. Seine Nieren versagten. Zwei Tage vor seinem Tod war er noch einmal bei uns, um Abschied zu nehmen von Riecke, seiner Mutter, Donner, seinem über alles geliebten Bruder und Spielgefährten und von mir, seiner Züchterin und meinem Mann.
Es ging Seppi schon so schlecht, dass er nicht mehr spielen konnte. Er lag müde und abgekämpft neben mir in seinem Körbchen. Er roch bereits so stark nach Tod, dass es großer Liebe bedurfte, um ihn zu streicheln oder neben sich zu ertragen.
Meine Hunde reagierten unruhig und verstört auf den Geruch, legten sich aber ums uns herum nieder. Am Abend wurde Seppi abgeholt. Ich ging mit zur Tür, streichelte ihn ein letztes Mal und folgte ihm mit meinen Blicken, bis er ins Auto seines Herrn einstieg. Ich wusste, dass ich ihn in diesem Leben nicht mehr sehen würde.
Am übernächsten Tag hatte Seppi den Kampf aufgegeben. Sein Blick war müde. Seine Besitzer, beides Tierärzte, fuhren mit ihm zu der Stelle, an welcher er als Welpe mit seiner Mutter und seinen Geschwistern so gerne gespielt hatte. Dort, im Schatten der Apfelbäume, ließen sie ihn einschlafen. Unter der Seppi Kanzel in unserem Revier hat er seine letzte Ruhe gefunden. Am Nachmittag des gleichen Tages fanden meine Hunde die Stelle und auch sein Grab. Ich bin mir ganz sicher, sie wussten, was hier geschehen war.
Max aber, der Kater, den Seppi gerettet hatte, lief an seinem Todestag miauend durch das ganze Haus. Auch er wusste, dass Seppi für immer von uns gegangen war.



Seppi mit seinem Lieblingsspielzeug, das ihm allen Übels kurz vor seinem Tod noch gestohlen wurde...
Seppi habe ich die Geschichten: "Fehler in der Reinkarnation" sowie "Wie wird man ein Engel" gewidmet.


Das Treuegen


Auf mittelalterlichen Darstellungen der Krippe ist oft ein Hund zu sehen, obwohl in der Bibel nichts von einem solchen in der Weihnachtsgeschichte zu lesen ist. Auch werden oft Damen des Adels mit einem Hündchen dargestellt. Der Hund steht hier als Symbol der Treue. Also: Hunde sind treu!
Das sagen auch viele Hundehalter und es gibt rührende Geschichten von Hunden, die sich auf das Grab ihres Herren legen.
Bei meinen Deutsch-Kurzhaar kann ich nur sagen: ich bin Ihnen treu! Bei meinen Hunden hingegen konnte ich ein Treue-Gen noch nie feststellen?
Sie wollen Beweise?
Kommen Sie einfach zu mir nach Hause, tragen sie eine wohlriechend nach Jagd duftende grüne Bekleidung und schon können Sie einen freudigen Jagdkameraden mitnehmen.
In unserem Rudel gibt es eine Arbeitsteilung. Ich arbeite hauptberuflich, mein Mann halbtags. Er führt die Hunde spazieren und hat die Futterversorgung für Zweibeiner und Vierbeiner. Ich mache die Hundesausbildung und gehe mit den Hunden auf die Jagd.
Im Wohnzimmer besitzen wir drei Sofas: für jeden Hund eines.
In der Regel ist aber nur ein Sofa und ein Schoss belagert- der meine. Ebenso ist es, wenn die Hunde morgens ein Viertelstündchen ins Bett zum Schmusen kommen dürfen- Herrchen Bauch bleibt zumeist dem Gammatier überlassen, wenn er nicht ganz allein liegen muss.
In diesem Herbst war meine Hündin Baghira von der Königsleite alias Emma trächtig und hat nun einen kleinen Wurf mit fünf Welpen geboren.
Daher blieb ich von der Jagd daheim und mein Mann nahm sich meinen Jagdhund Donner von der Himmelsleiter mit auf die Treibjagden.
Und- jetzt bleibt mein Sofa und auch mein Bauch im Bett leer! Die Hunde haben eindeutig ihre „Liebe“ neu verteilt!
Der Hund als Symbol der Treue? Ja, der Jagd sind sie treu, nicht mir!! Treulose Tomaten!
Ein noch krasseres Beispiel der Treulosigkeit bot mein geliebter Astor von der Himmelsleiter alias Rocky. Er war der „Kleine“, was bedeutet, er hatte ca. 40 kg auf der Waage. Und, mein „Kleiner“ war ungeheuer verfressen. Aber auch ein großer Saujäger vor dem Herren!
Eines Tages waren wir in Gerichtstetten, einem kleinen Dorf bei Hardheim im Odenwald zur Treibjagd eingeladen. Nun ist eine jede Gesellschaftsjagd für den Hundeführer ein Nervenkitzel. Wird der Hund gut jagen, keinen Blödsinn bauen und vor allem, wird er am Ende der Jagd wieder da sein? Wenn nicht, dann beginnt das Herzflattern. Was mag dem Hund passiert sein? Liegt er schwer verletzt und hilflos irgendwo da draußen? Wurde er von einem Auto überfahren? Wurde er gestohlen und nun vielleicht für irgendwelche Versuche missbraucht? Solche Gedanken gingen auch mir durch den Kopf, als mein Rocky am Ende der Jagd nicht da war. Ja, es hatte ihn nicht einmal einer der Jäger oder Treiber während der Jagd gesehen. Was war nur geschehen?
Dann fährt man als Jäger die Revier ab in der verzweifelten Hoffnung, den Hund zu finden. Die Polizei, das Tierheim, die Tierärzte, die Forstämter werden informiert. Aber nichts, es fand sich keine Spur von meinem Rocky. Nach drei Tagen waren meine Nerven völlig zerrüttet. Wo war Rocky?
Dann kam der erlösende Anruf. Eine alte Frau hatte sich bei einem Förster gemeldet. Die alte Frau war verwitwet, lebte allein in ihrem Häuschen und hatte, kurz hinter dem Hügel, auf dem die Jagd stattgefunden hatte, meinen Rocky angetroffen. Der Hund hatte der alten Frau gefallen, und sofort hatte sie ihm einen ihrer Kekse angeboten, denn ein armer, ausgesetzter Hund musste ja hungrig sein. So lief Rocky nur zu gerne mit der Frau nach Hause. Das Sofa, weitere Plätzchen und Milch, auf die Rocky versessen war, taten das ihre, dass Rocky sich einfach nur bärig wohl fühlte. Die alte Frau, sehr vereinsamt, hatte beschlossen, diesen Gefährten zu behalten.
Nach drei Tagen aber wurde der alten Frau bewusst, dass der Hund nun doch etwas groß war.
So hatte sie den Förster angesprochen, und der hatte wiederum uns angerufen.
So wurde Rocky von mir nach Hause geholt. Am liebsten hätte ich ihn, wie Krambambuli, vor meiner Türschwelle erfrieren lassen, dieses treulose Tier!
Treue-Gen? Bei meinen Deutsch-Kurzhaar eine Fehlanzeige.
Mein Vorschlag ist: man sollte auf den alten Bildern die Hunde durch Katzen ersetzen. Denn von denen habe ich mir sagen lassen, dass sie über hunderte Kilometer wieder nach Hause finden.
Eines aber weiß ich ganz sicher: die alten Maler hatten niemals einen Deutsch-Kurzhaar!




Hera vom Leinachtal zwei Jahre vor ihrem Tod.  Lara, so nannten wir sie, sind die Geschichten "Lara" und "Neue Geschichten von Lara" gewidmet.



Wie wird man ein Engel?



Das ist ganz einfach. Ein Baumkuchenfabrikant lässt als Verzierung seines Baumkuchens für Weihnachten aus Goldpapier, innen Gold, außen rot oder grün oder blau einen Baumkuchenengel machen. Dieses wird geschnitten, gefaltet, geklebt, erhält zwei Flügel angeklebt und einen hölzernen Kopf, dann ist der Engel fertig. Nun wandert er in den Kasten mit dem Baumkuchen und wird in alle Welt versandt. Die einen werfen ihn achtlos in den nächsten Mülleimer, andere stellen ihn auf den Tisch, hängen ihn an den Weihnachtsbaum. Bei einem Jägerehepaar landete der rote Baumkuchenengel an einem Hirschgeweih mit vielen anderen Engeln, manche schon altgedient, manche noch jungen Alters. So lernte der rote Engel, dass jedes Jahr, in der Adventszeit, alle Engel des Hauses auf diesem Hirschgeweih postiert wurden, mit gutem Blick auf den Esstisch des Hauses, an dem sich der überwiegende Teil des familiären Lebens abspielte. Zur Familie gehörten eine Frau und ein Mann und eine immer wieder unterschiedliche Anzahl von großen Jagdhunden. In den Wochen zwischen dem 1. Advent und Dreikönig konnten die Engel nun so einiges erleben, was ihnen in den langen Monaten bis zum nächsten Jahr Gesprächsstoff gab. Geschichten von der Jagd, von Freude und Leid. An drei König ging es dann jeweils mit Papier verpackt in eine Kiste in den Keller bis zum nächsten Jahr.
Im nächsten Jahr war es wieder wie im Vorjahr. Das Hirschgeweih, der Esszimmertisch.
Aber, es hatte sich auch immer etwas verändert. Ein neues Bild hing an der Wand, der ein oder andere neue Gegenstand war zu bewundern. Vor allem aber veränderten sich die Menschen von Jahr zu Jahr ein wenig und auch die Hunde des Hauses. Der kleine Welpe des letzten Jahres war ein stattlicher Rüde geworden, die alte Hündin war verschwunden.
Auch in diesem Jahr war es wieder Advent geworden und die Engel wurden an ihren Platz auf dem Hirschgeweih verbracht. Nur- der rote Baumkuchenengel- der wurde auf den Tisch gestellt und wunderte sich , als er auch hier nicht bleiben konnte, sondern nach draußen ins Auto getragen wurde. An der Windschutzscheibe erlebte der Engel zum ersten Mal die Welt draußen- Häuser, Straßen, Menschen und schließlich nur noch Bäume. Mitten im Wald hielt das Auto und die Frau stieg aus. Die Tränen liefen ihr übers Gesicht und sie befestigte den roten Engel nicht etwas an einem Hirschgeweih, sondern an einem echten Tannenbaum und fuhr davon.
Was hatte das denn zu bedeuten?
„Hallo! Roter Engel! Bist Du jetzt auch das?“ Und vor sich, auf einem kleinen Hügel bemerkte der rote Engel einen der Hunde, den er im letzten Jahr noch vom Hirschgeweih aus beobachtet hatte. Damals hieß es, er werde wohl die nächste Weihnachten nicht mehr da sein… Das hatte der rote Engel nicht verstanden.
„Warum bist Du denn hier, großer Hund und nicht im Haus der bei den Menschen?“ „Na, Du scheinst ja ein junger Engel ohne Erfahrung zu sein. Ich bin in diesem Jahr gestorben und meine Menschen haben mich hier, bei dem Hochsitz begraben.“
„Das wundert mich doch sehr! Ich dachte, ihr toten Hunde geht direkt über die Regenbogenbrücke!?“
„Da hast Du recht, roter Engel. Aber ich kann meine Menschen doch nicht allein lassen. Fast jeden Tag kommen sie hierher und besuchen mich, Du wirst schon sehen! Da kann ich sie doch nicht allein lassen. Es ist so viel Zeit in der Ewigkeit, da kann die Regenbogenbrücke ein wenig warten. Auch habe ich hier ja viel Gesellschaft. Die Vögel, die Rehe und die Wildsauen kommen hier vorbei und erzählen mir nun, da ich sie nicht mehr jage, ihre Geschichten.“
Das verstand der rote Engel. Und tatsächlich, fast jeden Tag kamen die Frau oder der Mann oder alle beide mitsamt eine wechselnden Anzahl Hunde, um das Grab mit dem roten Engel zu besuchen
So vergingen die Jahre, und der rote Engel war es zufrieden, denn er musste nicht mehr den Großteil des Jahres im Keller in einer Kiste verbringen, sondern hatte sozusagen Dienst rund um die Uhr. Mit der Zeit verlor er zwar seine Flügel- aber die waren ja ohnehin nicht nötig, denn er war ja an einem Faden befestigt. Dann verlor er seinen roten Körper und nur noch sein hölzerner Kopf hing am Tannenbaum- aber- ein Engel ist ja ein Engel- er braucht nicht unbedingt einen materiellen Körper. So war auch das nur Nebensache, dass das rote Kleid sich langsam auf dem Boden auflöste, bis es nicht mehr zu sehen war.

Eines Tages kam die Frau nur noch allein. Während die früher leicht aus dem Auto gestiegen war oder zu Fuß gekommen war, mit großen weiten Schritten, quälte sie sich nun mühsam an einem Stock aus dem Auto, um ein paar Minuten schwer atmend am Grab zu verharren.
Dann kam niemand mehr.
„Roter Engel, wir müssen gehen!“ „Was ist geschehen, großer Hund?“ „Hast Du es nicht bemerkt- meine Menschen sind gegangen. Sie warten auf mich, hinter der Regenbogenbrücke.“
Da fiel auch der Kopf des ehemals roten Engel vom Tannenbaum. Der Engle aber machte sich auf mit seinem Freund , dem großen Hund, dorthin, wo man sie schon erwartete: hinter dieRegenbogenbrücke.




Gwenny hat ein Weihnachtsgeschenk für uns!


Weihnachtsengel für Felix


Bekanntlich haben die Engel an Weihnachten viel zu tun. Insbesondere die Engel der Tiere. Sie gehen nämlich zu all den armen Kreaturen, die an Weihnachten nicht das haben, was ein jedes Tier haben sollte: Wärme, genug zu fressen, ein zu Hause, ein Rudel oder eine Familie. Sie sagen den Tieren, dass im Reich Gottes auch für sie alles gut werden wird, was der Mensch an ihnen versah.

So kam auch ein Engel zu Felix.
Felix war kein armer Hund. Zwar war sein Frauchen schon vor Jahren gestorben, aber seither waren er und sein Herr immer zusammen, und er war die ganze Freude des alten Jägers.

„Felix, ich habe eine gute und eine sehr schlechte Nachricht für Dich“, sagte der Engel.

Sag mir erst die gute, meinte Felix neugierig. „Die gute Nachricht ist: Du wirst eine gute Familie finden!“
„Aber ich brauche keine Familie! Ich habe doch Herrchen“, meinte Felix. „Das ist es ja gerade. Ich werde Dein Herrchen jetzt zu Fraule mitnehmen“.

Darauf begann Felix laut zu heulen. Er heulte so, dass Franz, der Jungjäger im Nebenhaus, aufmerksam wurde. Er läutete und läutete, aber niemand öffnete die Tür. Schließlich nahm Franz den Türschlüssel aus dem Blumentopf recht neben der Tür und öffnete diese.
„Hubert! Hubert! bist Du da? Felix, wo ist Dein Herrle?“ Darauf begann Felix wieder zu heulen, dass es durch Mark und Bein ging.
Dem Franz wurde es ganz anders- und tatsächlich. Hubert, sein Jagdfreund saß im Sessel, aber er würde den Franz nie wieder ansehen. Hubert, der alte Jäger war für immer gegangen.

„Was machen wir jetzt mit Dir, Du armer Felix? Meine Frau mag keine Hunde und vor Dir hat sie Angst. Da werde ich Dich wohl ins Tierheim geben müssen!“

Da schaute Felix dem Franz tief in die Augen und der erinnerte sich an so manche Nachsuche von Felix für den noch unsicheren Jungjäger. Und diesen Hund, die Freude seines Freundes Hubert sollte er ins Tierheim geben? „Frohe Weihnachten“, dachte Franz bei sich.

Zu Hause angekommen mit Felix an der Leine versammelte sich die Familie schon unterm Christbaum. Und da Besuch da war, die Geschenke von den Kindern schon ungeduldig erwartet wurden, machte Erika, die Frau von Franz zwar ein böses Gesicht, duldete aber die Anwesenheit von Felix.
Die Kinder begannen zu singen.

Da trat der Engel zu Felix und sagte: „Du musst jetzt ganz elendiglich heulen!“ Im Gegensatz zum Menschen können Tiere ja die Engel sehen und hören.

Also heulte Felix in tiefsten Tönen. Und Erika, deren Herz der Engel berührt hatte, begann, statt zu schimpfen, mit den Tränen zu kämpfen. „Der arme Felix!“
Also durfte Felix zunächst einmal bleiben. „Nur über die Feiertage!“, sagte Erika.
Felix machte sich derzeit nützlich. Wo Erika ging und stand war auch Felix. Er begleitete sie beim Abendspaziergang, holte die Hausschuhe, apportierte die Morgenzeitung. Und wenn Fraule beim Abendspaziergang jemandem begegnete, machte Felix kurz aber prägnant „wuff“, um zu zeigen, dass er keinen Angriff auf die neue Herrin dulden würde. Und immer strich Erika dem Felix über den Kopf und sagte: „Du armer Felix!“

Dann war es der erste Tag des neuen Jahres. Franz musste nun sein Versprechen einlösen. Also nahm er die Leine in die Hand und sagte: „Ich bringe ihn jetzt ins Tierheim!“

Da aber war er bei Erika ganz falsch angekommen. „Wie kannst Du nur so herzlos sein! Der arme, arme Felix!“ Erika sah nicht, dass hinter ihr der Engel stand und Felix zuwinkte und lachte. „Sagte ich Dir nicht, dass Du eine gute Familie findest!“ raunte der Engel dem Felix zu. Und der schaute Fraule tief in die Augen.

Und so ist Felix ein glücklicher Felix geblieben.
Und Erika hat gar keine Angst mehr vor Hunden. Und Franz hatte noch viele erfolgreiche Nachsuchen und einen treuen Jagdkameraden.





Lara- alt und müde geworden...


Lara



Es ist schon nicht einfach, einen Jagdhund auszubildern. Manch strengem Richter rast der Puls, wenn er selbst als Hundeführer beim Derby oder Solms antreten muß. Nicht anders ergeht es den blutigen Anfängern, den Erstlingsführern. Die Richter geben sich zwar alle Mühe, dem Gespann zu helfen und beruhigend auf es einzwirken, aber....

Aber, wenn da die verlixten Hasen nicht gewesen wären. "Falls ein Hase aufgeht und ihr Hund ihn hetzt ,dann lassen Sie ihn ruhige hinerher, der kommt schon wieder", so hieß es bruhigend von den Richtern beim Derby. "Sie können die Hündin ja ohnehin nicht halten".

Es kam, wie es unglücklicher nicht kommen konnte. Die erste Suche, eine Minute nach dem Ansetzten, und der erste Hase steht dirkekt vor dem Hund auf. An ein Halten ist in der Tat nicht zu denken. Nun heißt es warten. "Der kommt schon wieder", haben die Richter gesagt. Eine viertel Stunde vergeht , eine halbe, eine ganze Stunde. Aus Verärgerung wird Unruhe, aus Unruhe heiße Angst. Die Umgebung wird abgesucht. Ein Volkswandertag findet direkt über dem Hügel statt. Aber auch dort hat keiner den Hund gesehen.

Am späten Nachmittag sitzen alle im Suchenlokal. Lara ist immer noch abgängig. Im Geiste malen sich alle aus, was schlimmstenfalls passiert sein könnte. zu viele haben schon einen Hund verloren oder erlebt, daß dies einem Jagdfreund zugesoßen ist.

"Ja, die vielen Autos und Straßen heute!" Endlich kmmt einer auf eine Idee: "Hast Du schon im Tierheim nachgefragt?" Das Tierheim, es ist gut eine halbe Fahrstunde entfernt vom Prüfungsort. Sollte der Hund etwa dort abgegeben worden sein? Tatsächlich! "Ja, eine Deutsch-Kurzhaar-Hündin ist schon seit heute morgen um 10 Uhr bei uns. Spaziergänger haben sie bei uns abgegeben".

Gerade einmal dreihundert Meter vom Prüfungsort entfernt, direkt hinter dem Hügel, wenige Minuten nach dem Anfang der Hetze , hatten Spaziergänger mit ihrem Rüden die arme, herrenlose, und vielleicht ausgesetzte Hündin eingefangen, angeleint, und inst Tierheim gebracht - nachdem der Rüde die Hündin noch vergewaltigt hatte. Seither hasste Lara Rüden!

Im Prüfungszeugnis Derby steht jetzt : "Die Hündin hat sich der Prüfung bis zum Ende entzogen". Was störte es die überglückliche Besitzerin, die ihren Hund wiedergefunden hatte!!

In der Woche drauf traten wir wieder beim Derby an. Die erste Suche, gleich zeigt die Hündin ein Fasanengeläuf an, steht vor, zieht nach. Die wenigen Hasen an diesem Tag gingen schon von weitem auf und wurden ignoriert. Am Ende des Tages durfte Lara als Suchensiegerin die Heimfahrt antreten. Ja, so ist das mit einem jungen Hund! So ist es mit dem Glück, das mein bei Prüfungen und bei der Jagd eben auch haben muss.

Seither ist so manches Jahr vergangen, und so manche Prüfung wurde noch bestanden. Sogar einmal Suchensieger bei der VGP war dabei. Lara wurde Mutter und mehrfache Großmutter. Sie wurde alt und abgeklärt. Einem Hasen hinterherzugehen, den man ohnehin nicht gekam - das war dann unter ihrer Würde. Allenfalls mal fünfzig Meter, nur so zum Spaß...
Ansonsten liebte Lara ein warmes Plätzchen, an dem sie von vergangenen Jagdfreuden träumen konnte.

Im Mai 2004 schickten wir Lara mit über 14 Jahren über die Regenbogenbrücke in einer relativ guten Phase, um ihr weiteres Leiden zu ersparen. Sie hinterließ uns ihren Sohn Astor von der Himmelsleiter, unseren Rocky. Wir hofften, er würde uns genauso lange erhalten bleiben, wie seine Mutter. Aber schon nach 10 Monaten folgte er seiner Mutter, wenige Tage vor seinem 12 Geburtstag. Bis zuletzt hatte er sich liebevoll um Donner von der Himmelsleiter, den wenige Monate alten Welpen gekümmert, der nun sein Erbe angetreten hat.