Andenken an Rocky

 

Zum Andenken an Rocky
Jeder hat wohl schon einmal einen Hund gehabt, der ihm mehr als alle anderen ans Herz gewachsen war. So war das mit Rocky. Eigentlich ja wohl Astor von der Himmelsleiter, Nr. 6 des ersten Wurfes in meinem Zwinger.
Als Hera vom Leinachtal, seine Mutter, diesen Wurf zur Welt brachte, hofften wir auf eine schöne Anzahl von Hündinnen. Die waren nämlich bestellt. Ich selbst wollte auch eine behalten. Stattdessen folgte ein Rüde auf den anderen, so dass es am Ende 6/2 stand.
Lara, so nannten wir Hera, entpuppte sich als instinktsichere Mutter, allerdings waren nicht alle Zitzen gleich ergiebig. Aber, wir hatten ja Nr.6. Er war ein kleiner Dicker und ein mächtiger Sauger!! Also wurde er von den guten Zitzen abgezogen und an die mageren angesetzt, die dank der Bearbeitung durch diesen verfressenen Welpen, schon bald ebenfalls recht gut Milch gaben. Ansonsten war Nr. 6 so dick wie gemütlich. Er liebte es im Garten zusammengerollt auf einem sonnigen Plätzchen zu liegen, ausgiebiges Getobe war weniger sein Fall. Die Wochen vergingen und es galt, die Welpen zu verkaufen. Nun mag es für die renommierten Zwinger kein Problem sein, Rüdenwelpen an den Mann oder die Frau zu bringen. Für einen unbekannten Erstlingszwinger hingegen begann
die Zeit des Zitterns. Die beiden Hündinnen waren sofort weg, die schön gezeichneten Welpen auch. Nr.6 aber wirkte mausgrau. Er war weder ein schöner Braunschimmel, noch richtig weiß. Mit anderen Worte: keiner wollte ihn haben, und so entschlossen wir uns, Nr.6, jetzt genannt Rocky – wir wollten nicht Rambo sagen – zu behalten.
Er stellt sich als ein sehr ruhiger, aber willensstarker Rüde heraus.
Das machte sich beim Derby bemerkbar, wo er in der ersten Prüfung seines Lebens sofort jede internationale „Karriere“ mit einem 3. Preis zu nichte machte. Diese Urkunde hängt noch heute an meiner Wand. Sie hat als einzige einen breiten goldenen Rand!! Schon bei der Solms aber wurde er Suchensieger, VGP als zweiter von 26 Hunden mit nur einem Punkt Abstand auf den Suchensieger. Und dann zeigte sich Rockys wahres Talent: die Schweißarbeit.
Bei der VSWP mit über 20 Stunden wurde er Suchensieger, obwohl es über dem Schweiß prächtig gefroren hatte. Bei der über 40 Stundenfährte hatte es tags zuvor 70 l auf den Quadratmeter geregnet. Rocky wurde Suchensieger, die meisten anderen kamen auf der 20 Stundenfährte nicht einmal ans Ziel.
Dabei hatte sich die Führerin , nämlich ich, dadurch ausgezeichnet, dass
sie den Rüden immer wieder vom Schweiß weg traktierte. Ohne Erfolg. Rocky wollte ans Ziel und ging immer wieder auf den Schweiß zurück.
In den folgenden Jahren kam neben Fressen, Schlafen, Schweiß eine neue Leidenschaft dazu: Rocky jagte passioniert bei der Stöberjagd auf Sauen.
In seinen späteren Jahren wurde er für komplizierte Nachsuchen abholt und von anderen Führern! eingesetzt, wenn ich arbeiten musste. Vor allem aber wurde er auf großen Maisjagden und revierübergreifenden Treibjagden auf Sau angefordert. Unser Mitjäger Franz-Josef prägte den Standartsatz: „Dein Hund ist wieder einmal zur Jagd eingeladen worden, und Du darfst mitgehen, weil er noch nicht Autofahren kann.“

Rocky wurde überall in der Gegend bekannt und geachtet.
Er war nicht nur ein guter Hund, sondern eine wirkliche Hundepersönlichkeit.
Begegnete ich einem Jäger, war zumeist die erste Frage: „Und wie geht es Deinem Rocky?“

Neben all den jagdlichen Fähigkeiten war er ein anschmiegsamer liebevoller Gefährte. Fast vierzig Kilo wog unser „Kleiner“, ein Standbild von einem Hund.
Den Welpen aus den vielen Frühsterziehungskursen war er der Held, den sie verehrten.
Den kleinen Don von der Himmelsleiter, der acht Tage nach seinem Verkauf zurückgegeben wurde, war er ein Ersatzvater und großes Vorbild.
Wo Rocky war, war auch Don.
Es war Rocky noch vergönnt, seinen Nachfolger einzujagen und ihm Manieren an der Sau beizubringen.
Dann kam der Darmkrebs. Am 27.2.2005 verschloss dieser den Darm und wir mussten Rocky erlösen.

Nachtrag: ein Welpenkäufer meines jetzigen F-Wurfes kam berichtete mir, er kenne mich seit zehn Jahren!!??????
Er habe mich auf einer Zuchtrüdenvorstellung in München mit einem Mordsrüden gesehen, der die Ruhe weg gehabt hätte.
Es war Rocky!

 

Mein Babybär Rocky. Leider vergeht die Zeit viel zu schnell.

 

 

Diese Bild liebe ich besonders. Rocky war noch ein Welpe. Er wollte mir wohl beim Betten beziehen helfen und legte sich in den Wäschekorb.

Und hier ist Rocky schon ein alter Herr mit der noch jungen Birke vom Westermoor.